„Wie viel sollte meine Katze eigentlich fressen?“ — das ist eine der häufigsten Fragen überhaupt. Und sie ist berechtigt: Mehr als die Hälfte aller Hauskatzen in Deutschland gilt als übergewichtig, fast immer durch zu große Portionen. Die gute Nachricht: Die richtige Futtermenge lässt sich erstaunlich einfach berechnen. Hier kommt der komplette Guide — mit Tabelle.
Wie der Energiebedarf berechnet wird
Die Futtermenge ergibt sich nicht aus dem Bauchgefühl, sondern aus dem Energiebedarf deiner Katze — gemessen in Kilokalorien (kcal) pro Tag. Als grobe Faustregel für eine normalgewichtige, erwachsene Katze gilt:
Rund 50 bis 60 kcal pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Eine 4-kg-Katze braucht also etwa 200 bis 240 kcal täglich. Das ist ein Startwert — nicht in Stein gemeißelt.
Warum nur ein Startwert? Weil der echte Bedarf von mehreren Faktoren abhängt, die ihn nach oben oder unten verschieben:
- Kastriert oder nicht: Kastrierte Katzen haben einen rund 20 bis 30 Prozent niedrigeren Energiebedarf. Genau hier passiert das häufige „Kastration macht dick“ — nicht durch die OP, sondern weil die Portion nicht angepasst wird.
- Drinnen oder draußen: Eine reine Wohnungskatze verbrennt deutlich weniger als ein Freigänger, der jagt und revierläuft.
- Aktivität und Temperament: Die verspielte Junge frisst mehr weg als der gemütliche Couch-Senior.
- Alter: Kitten im Wachstum brauchen pro Kilo deutlich mehr Energie als erwachsene Tiere — oft das Zwei- bis Dreifache.
- Trächtig oder säugend: Hier schießt der Bedarf nach oben, eine säugende Kätzin kann das Vierfache ihres normalen Bedarfs benötigen.
Genauer als die Faustregel ist die Formel der FEDIAF (europäischer Heimtierfutter-Verband): Ruheumsatz = 100 × (Körpergewicht in kg)0,67, multipliziert mit einem Aktivitätsfaktor zwischen 0,8 (kastrierte Wohnungskatze) und 1,4 (aktiver Freigänger). Für den Alltag reicht aber die einfache Faustregel als Einstieg völlig.
Richtwert-Tabelle nach Gewicht
Hier die Faustregel als Tabelle — für eine normalgewichtige, erwachsene Katze mit durchschnittlicher Aktivität. Die Gramm-Angabe bezieht sich auf reines Nassfutter mit etwa 90 kcal pro 100 Gramm:
| Gewicht der Katze | Energiebedarf (kcal/Tag) | Nassfutter (ca. Gramm/Tag) |
|---|---|---|
| 3 kg | 150 – 180 kcal | ca. 170 – 200 g |
| 4 kg | 200 – 240 kcal | ca. 220 – 270 g |
| 5 kg | 250 – 300 kcal | ca. 280 – 330 g |
| 6 kg | 300 – 360 kcal | ca. 330 – 400 g |
Wichtig: Das sind Orientierungswerte. Beachte immer die Herstellerangabe auf der Dose — der Kaloriengehalt schwankt je nach Sorte stark. Manche Nassfutter haben 70 kcal pro 100 Gramm, andere über 120. Rechne deshalb lieber mit kcal als mit Gramm. Wenn du dich fragst, ob überhaupt Nass- oder Trockenfutter besser ist, lies unseren Vergleich zu Nassfutter oder Trockenfutter.
Wie oft am Tag füttern?
Katzen sind von Natur aus Häppchenfresser. In freier Wildbahn jagt eine Katze viele kleine Beutetiere — Mäuse, Insekten, kleine Vögel — verteilt über den ganzen Tag und die Nacht. Eine einzige große Mahlzeit ist also völlig unnatürlich für sie.
Am artgerechtesten sind drei bis fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Du hast dabei grob zwei Modelle:
Portionierte Fütterung
Du teilst die berechnete Tagesmenge auf feste Mahlzeiten auf. Vorteil: volle Kontrolle über die Menge, ideal bei übergewichtigen oder verfressenen Katzen. Ein automatischer Futterautomat hilft, wenn du tagsüber nicht da bist.
Freie Fütterung
Futter steht den ganzen Tag bereit, die Katze frisst, wann sie will. Funktioniert nur bei Katzen, die gut selbst regulieren — und praktisch nur mit Trockenfutter, da Nassfutter schnell verdirbt. Für die meisten Katzen ist diese Methode riskant, weil sie zum Überfressen verleitet.
Ein echter Geheimtipp sind Futterspiele: Fummelbretter, Futterbälle oder versteckte Portionen lassen deine Katze für ihr Futter „arbeiten“. Das verlangsamt das Fressen, beugt Langeweile vor und befriedigt den Jagdtrieb — gerade für Wohnungskatzen Gold wert. Apropos Flüssigkeit: Viele Katzen trinken zu wenig. Wenn dir das bekannt vorkommt, schau bei Katze trinkt wenig vorbei.
Über- oder Untergewicht erkennen
Die Waage allein sagt wenig, denn die ideale Menge hängt vom Körperbau ab. Tierärzte nutzen deshalb den Body Condition Score (BCS) — eine Skala, bei der du Rippen, Taille und Bauch beurteilst. Den wichtigsten Test kannst du selbst machen:
Streiche mit flacher Hand seitlich über den Brustkorb deiner Katze.
Normalgewicht: Du spürst die Rippen leicht unter einer dünnen Fettschicht — ähnlich wie die Knöchel auf deinem Handrücken.
Untergewicht: Die Rippen stehen deutlich hervor, kaum Fettpolster, oft auch sichtbare Hüftknochen.
Übergewicht: Du musst kräftig drücken, um die Rippen zu fühlen — oder spürst sie gar nicht. Von oben fehlt die Taille hinter den Rippen.
Übergewicht ist kein Schönheitsproblem: Es erhöht das Risiko für Diabetes, Gelenkprobleme und Lebererkrankungen deutlich. Wenn deine Katze auffällig abnimmt oder zunimmt, ohne dass du die Futtermenge geändert hast, kann auch eine Erkrankung dahinterstecken — dann ist der Tierarzt dran. Mehr dazu, woran du Beschwerden erkennst, findest du unter Katze hat Schmerzen.

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Neigt deine Wohnungskatze zum Zunehmen, kann ein proteinreiches Trockenfutter mit Fokus auf Gewichtskontrolle helfen — viel tierisches Eiweiß bei reduziertem Fettanteil. Die Portion trotzdem immer abwiegen.
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Nach Augenmaß füttern
„Ein bisschen mehr“ summiert sich. Wer ohne Waage oder Messbecher füttert, überschätzt die Portion fast immer. Eine Küchenwaage für ein paar Euro ist das beste Anti-Speck-Werkzeug. Wieg die Tagesration einmal ab — du wirst überrascht sein.
Leckerlis nicht mitrechnen
Das Sahnehäppchen zwischendurch, die Katzenmilch, das Stück Wurst — alles zählt zur Tagesmenge. Leckerlis sollten maximal 10 Prozent der Tageskalorien ausmachen, und diese Kalorien gehören vom Hauptfutter abgezogen. Vergessene Leckerlis sind die heimliche Nummer eins beim schleichenden Übergewicht.
Trockenfutter unterschätzen
Trockenfutter ist extrem energiedicht. 100 Gramm liefern oft 350 bis 400 kcal — mehr als das Vierfache von Nassfutter bei gleichem Gewicht. Ein „kleines Häufchen“ deckt schnell den halben Tagesbedarf. Wer Nass- und Trockenfutter mischt, muss beides zusammenrechnen, nicht nebeneinander voll füllen.
Mehrere Katzen aus einem Napf
Bei mehreren Katzen frisst die schnellere oft die Portion der langsameren mit. Getrennte Näpfe an verschiedenen Orten — und im Zweifel getrennte Fütterung — sind die Lösung, sonst wird eine zu dick und die andere zu dünn.
Häufige Fragen zur Futtermenge
Wie viel sollte eine Katze am Tag fressen?
Als Faustregel braucht eine normalgewichtige, erwachsene Katze rund 50 bis 60 kcal pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Eine 4-kg-Katze liegt also bei etwa 200 bis 240 kcal — das entspricht grob 200 bis 250 Gramm Nassfutter. Die genaue Menge hängt von Alter, Aktivität und Kastration ab und steht als Richtwert auf jeder Dose.
Wie oft am Tag sollte ich meine Katze füttern?
Am artgerechtesten sind mehrere kleine Mahlzeiten — drei bis fünf Portionen am Tag. Katzen sind von Natur aus Häppchenfresser und würden in freier Wildbahn viele kleine Beutetiere über den Tag verteilt jagen. Futterspiele oder Futterbälle bauen diesen Jagdtrieb sinnvoll ein.
Woran erkenne ich, ob meine Katze zu dick ist?
Taste die Rippen: Bei Normalgewicht spürst du sie unter einer dünnen Fettschicht, ohne stark drücken zu müssen. Von oben sollte eine leichte Taille hinter den Rippen erkennbar sein. Spürst du die Rippen gar nicht mehr und ist keine Taille da, ist deine Katze wahrscheinlich übergewichtig.
Zählen Leckerlis zur Tagesmenge dazu?
Ja, unbedingt. Leckerlis sollten nicht mehr als rund 10 Prozent der Tageskalorien ausmachen — und diese Kalorien musst du vom Hauptfutter abziehen. Vergessene Leckerlis sind eine der häufigsten Ursachen für schleichendes Übergewicht.
Muss ich Nass- und Trockenfutter unterschiedlich dosieren?
Ja. Trockenfutter ist sehr energiedicht: Schon 100 Gramm liefern oft 350 bis 400 kcal, während 100 Gramm Nassfutter meist nur 70 bis 100 kcal haben. Ein Häufchen Trockenfutter wird deshalb leicht unterschätzt. Rechne immer mit den kcal-Angaben, nicht mit dem Augenmaß.
Quellen
- FEDIAF (2021). „Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs.“ European Pet Food Industry Federation.
- National Research Council (2006). Nutrient Requirements of Dogs and Cats. The National Academies Press, Washington, DC.
- Cave, N. J., Allan, F. J., Schokkenbroek, S. L. et al. (2012). „A cross-sectional study to compare changes in the prevalence and risk factors for feline obesity.“ Preventive Veterinary Medicine, 107(1–2), 121–133.
- German, A. J. (2006). „The growing problem of obesity in dogs and cats.“ The Journal of Nutrition, 136(7), 1940S–1946S.
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